ERA Magazin - besser Wohnen

Prof. Mag. Thomas N. Malloth und Patrizia Malloth

Prof. Mag. Thomas N. Malloth und Patrizia Malloth

Heute schreiben wir den 28. Oktober 2085, es ist 16:00 Uhr nachmittags, die Sonne wärmt so als ob Sommer wäre, die Rosen treiben am Hauptplatz von Illmitz. Auf einer Parkbank sitzt eine jugendlich wirkende Greisin, sie ist 86 Jahre alt und sieht aus wie meine Tochter. Neben ihr sitzt ihre 17 Jahre alte Enkelin, aufmerksam der Großmama zuhörend. „Nein wir haben keine Revolution wollen, die Maschine organisierte unser Leben perfekt, es fehlte an nichts, wir brauchten auch nicht mehr zu arbeiten, seit 2033 mussten wir auch nicht mehr wählen. Ein paar wenige Oppositionelle regten sich darüber auf, lebten aber getrennt von unserer heilen Welt.“ – „Gab es überhaupt keine Demokratie mehr?“. – „Sie war nicht mehr notwendig und wir waren auch so glücklich. Unser Verhalten wurde weitestgehend durch Algorythmen zentral vorher gesehen, Hologramm-Archivare beobachteten uns, wir konnten auch unsere Sorgen bei ihnen abladen, täglich schluckten wir eine blaue Pille, um unsere Zellen zu waschen und den Krebs hintan zu halten. Während ich in der Jugend noch die eine oder andere Fertigkeit hatte, ich zeichnete gerne, ging ein paar Mal pro Woche laufen, wir feierten in den alten Weinkellern und mein Vater machte manchmal Lagerfeuer an dem wir Lieder sangen, die es schon lange im Dorf gab, hatte ich diese Fertigkeiten mit etwa 30 verloren, mein Life-Chip ersetzte das Schreiben, das Lesen, das Denken und unsere Werte wurden an die jeweilige Situation angepasst.“ – „Großmama….“. Die Greisin drehte in ihrer rechten Hand eine grüne Pille, jene für die virtuelle Welt, langsam führte sie diese zum Mund und schluckte sie. Ihr Tagtraum hatte begonnen.

Meint mit dem Aufruf zum Widerstand herzlichst
Euer Thomas Malloth

P.S. Der Text ist eine Abwandlung der Gedanken von Yvonne Hofstetter in ihrem bei Penguin erschienenen Buch „Das Ende der Demokratie“, das – weit über MRG, WEG und WGG hinaus – Pflichtlektüre sein sollte (ISBN 978-3-328-10202-I)