ERA Magazin - besser Wohnen

Liebe Kollegin, lieber Kollege,

Ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass Innovation in der Immobilienbranche keine Denkkategorie ist. Österreich belegt zwar weltweit im Global Competitiveness Index den hervorragenden 13. Platz (Indien immerhin mit einem Wirtschaftswachstum von 7,2 % nur den 40. Platz). Trotzdem: Wie sieht es mit der Anpassung der Immobilienwirtschaft an das 3. Jahrtausend aus? Wir beschäftigen uns mit thermisch-energetischen Optimierungen, während die sinnhafteste Sanierungsform Dynamit wäre. Wir bauen noch immer Garagen und denken nicht über Mobilität an sich nach. Wir beklagen uns über neue Klimaschutzziele, die das Bauen verteuern.

Haider Malloth-10

Gerade eine Qualitätsgemeinschaft wie die ERA sollte sich längst der Zukunft verschreiben und fragen: Wo werden die Lieferdrohnen landen und wieder aufgeladen werden? Macht es Sinn mit einem autonom gesteuerten PKW von Wien nach Bratislava oder München zu reisen oder ändert das auch nichts am Stau – selbst elektrobetrieben? Wie implementieren wir virtuelle Realität in Gebäude und warum spricht mein Zuhause noch nicht mit mir? Warum jammern wir über Baupreise und drucken das Bauwerk nicht einfach aus dem 3D Drucker? Warum suchen wir grüne Wiesen als Bauland und überlegen uns nicht sinnvoll eine sich nach oben entwickelnde Stadt? Warum sagt mir die Küche nicht längst, ob das Lebensmittel mit meiner Allergie kompatibel ist und ein CO2-Meter am Hauptplatz, was ich an Schadstoffen spare, wenn ich jetzt auf das Auto verzichte? Warum suche ich noch immer nach meinen Schlüsseln?
Die österreichische Weinwirtschaft sucht ihr Heil in der Globalisierung. Wein aus dem Burgenland heißt die Devise, da weiß jeder, was er hat. Allein ich glaube nicht daran! Wenn das Individuum und seine Wohlfahrt im Zentrum unserer Demokratien stehen, dann heißt das für die Weinwirtschaft, den Wein des Kunden und nicht den eigenen zu produzieren. Für die Immobilienwirtschaft heißt es: Gebäude, das Wohnumfeld, Straßen und Plätze haben keinen Selbstzweck, sondern müssen von uns endlich zurückerobert werden,

meint wie immer herzlichst Euer Thomas Malloth