ERA Magazin - besser Wohnen

Liebe ist …

Dieses Feuilleton könnte ein Satz sein – ein einziger Satz. Wenn ich ihn nur sagen könnte! Aber vor lauter Silber bin ich zu Gold verdammt. Schweigen, werter Leser, wohlmeinende Leserin, kann mitunter zum Verzweifeln sein.

Love

Schatz, ich …
Nein, ich gehe mit dir heute Mittag nicht zum Italiener. Ich habe noch so viel zu tun im Haus. Der Boden im Wohnzimmer! Erst saugen, dann nass wischen! Was sage ich!?! Waschen! Siehst du die Flecken da? Die kannst du nicht einfach mit dem Staubsauger. Die muss ich mit einem Schwamm! Und nachher muss man warten, bis die Fliesen trocken sind.

Aber ich …
Du? Du? Du hast mir das letzte Mal vor … vor … na, ich weiß nicht, wie lange das schon her ist – geholfen. Na, ja, geholfen! Da bin ich ja, weiß Gott, wirklich großzügig in meiner Wortwahl. Ich habe damals alles noch einmal selber machen müssen, weil du siehst ja die Kleckse überhaupt nicht! Aber so seid ihr eben alle. Männer! Seit wir die Esra nicht mehr haben, bleibt alles an mir hängen. Und im Badezimmer sind auch so hässliche Flecken auf den Armaturen. Die muss ich mit diesem Entkalkungsmittel putzen! Ohne Gummihandschuhe geht das aber überhaupt nicht. Ich ruiniere mir doch nicht die Hände! Und dann …
Ich will dir …
Du willst? Was willst du. Zum Italiener? Ich hab‘ dir doch grade gesagt, ich geh‘ heute nicht fort, solange ich nicht sauber gemacht habe. Schau dir nur einmal die Übervorhänge an! Die gehören schon seit Tagen in die Waschmaschine. Und die Untervorhänge erst! Gräulich! Oder hältst du das für Weiß? Also, mir kommt kein Besuch ins Haus, wenn’s da so aussieht. Die würden sich was Schönes von uns denken! Wenn die … Mein Gott! Die Toiletten! Da muss ich ja auch noch! Aber das ist dir ja vollkommen egal. Die Matten gehören gewaschen, das Handwaschbecken ist auch schmutzig – und die Klomuschel! Alles sauber, glaubst du? Auch unter dem Rand? Na, eben. Das weißt du nicht. Weil du an solche Schmutzfallen gar nicht denkst.

Was ich dir sagen …
Sag‘ mir lieber nichts. Ich hab‘ nämlich wirklich keine Zeit, mit dir über solche Selbstverständlichkeiten zu diskutieren wie zum Beispiel, dass wir in der Woche mindestens einmal die Bettwäsche wechseln müssen. Das habe ich zwar gestern schon erledigt. Aber dabei sind mir diese weißen Flankerln am Teppichboden aufgefallen. Wie die da hinkommen, ist mir ein Rätsel. Vielleicht weil du nie die Papiertaschentücher aus dem Pyjama-Brusttäschchen nimmst, bevor du ihn zur Wäsche gibst. Und dann schaut’s so aus. Oder sind das vielleicht sogar Spinnen-Nester? Na, grauslich! Oben in den Ecken am Plafond hängen sie – ja, jetzt nicht mehr, weil ich sie wegsauge, sobald ich so ein Viech sehe. Und der Staub auf den Kästen, Lampen und Hängebords. Das macht sich ja auch nicht von selbst.

Schatzi, bitte, ich …
Ja, ja, du kannst mir dankbar sein dafür, dass ich das alles für dich mache. Damit du in einem sauberen Haus, in einem gesunden Wohnambiente leben kannst, ohne Staub auf den Lustern und Schlieren auf den Fenstern. Und ein Boden, von dem man essen könnte. Apropos: Was wolltest du sagen?

Ich hab‘ dich lieb.

Text: Dr. Gregor Kozak
E-Mail: g.kozak@besser-wohnen.co.at
Bild: pixabay