ERA Magazin - besser Wohnen

Kochst du noch, oder wohnst du schon?

Zeit der Hybride. Während die Küche immer mehr mit dem Wohnbereich zu verschmelzen scheint, was übrigens auch der Essbereich von der anderen Seite tut, steht die Küche selbst vor einer Weggabelung: Geht es nach vorne oder nach hinten in der Entwicklung? Sowohl Futuristisches als auch Zitate aus der Vergangenheit sind möglich.

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Technisch betrachtet ist die Küche mehr als angekommen im 21. Jahrhundert, vielleicht sogar schon weiter. Es gibt Geräte, die Backofen, Mikrowelle und Dampfgarer in sich vereinen, Infrarot-Felder, die sich vorher abschalten, bevor „al dente“ nur eine Wunschvorstellung, aber keine Tatsache ist, Dunstabzüge, die sich entweder dezent rauf schwingen und runter versenken oder wie riesige Raumschiffe über dem Herd baumeln, und auch diejenigen Wunder, die entweder doppelt so schnell kochen oder doppelt so gesund.

Mix aus Alt und Neu.
Bei den Küchenmöbeln geht man ein paar Schritte zurück, lässt die alte Kredenz wieder aufleben, lädt zur Steinzeit ein in Form von wahren Kochmonolithen aus Naturstein oder bringt wieder mehr Kupfer in die kulinarische Szenerie, jedoch nicht als Topf, sondern als Griff, Zierleiste oder Ähnliches. Trotzdem bleiben bei diesen Details die Linien der Küchen klar definiert, auch wenn ab und zu ein wenig Landhausstil hervorguckt. Das Spiel der Kontraste von stringenten Formen und weichen Farbtönen ist ebenso präsent wie die Gegensätze zwischen Matt und Glänzend oder Schwarz und Weiß, die die Strenge der Korpi noch unterstreichen.

Zu schade zum Kochen.
Die neuen puristischen Kochgelegenheiten, die sich samtig und verwechselbar an das Wohnzimmerambiente anschmiegen, wo Buchregal an Küchenregal bar jeder Unterscheidungsmöglichkeit grenzt und das Wort „Grenze“ ohnedies seine Bedeutung verliert, erwecken den starken Eindruck, dass daneben Gepatztes und Schnippelabfälle, Gewürzgefäße und Küchenutensilien gar nicht gern gesehen werden. Lieber hat man die Kochlektüre sauber geschlichtet und die Edelstahloberfläche ohne Fingertapser und Wasserspritzer wie frisch poliert. So fragt man sich, ob das erstens die Vorhut zur Backstageküche ist, in der tatsächlich gearbeitet werden darf, und ob man zweitens damit wieder dort ankommt, wo man schon einmal war: Im winzigen Zimmer namens Küche.

Inseln der Träume.
Absolut undenkbar wäre heute ein Küche, die – wenn nicht schon eine ganze Insel – nicht wenigstens eine Bucht hat. Durch die allseitig benutzbare Arbeitsfläche, die immer schon ein kostbares und praktisches Gut war, allein durch die Multifunktionalität als Esstisch, als Kochstelle und als gemeinschaftliche Werkbank, ist die Küche wieder zu dem geworden, was sie früher einmal war: Nach Jahrzehnten des Wegsperrens auf ein paar lächerliche Quadratmeter ist sie integrativer Teil des kommunikativen Zentrums. Inwieweit man nun sehen darf, wie hier gearbeitet wird, oder ob sie in aller Schönheit doch so aussehen muss wie ein gepflegtes Stück, abholreif für das Museum, bleibt dahin gestellt. Ein Ort des Gespräches, der Gemeinschaft und des Genusses wird sie trotzdem immer bleiben.

Sahnehäubchen
Geschmackvoll. Manchmal blühen sie im Verborgenen, manchmal aber stechen sie
direkt ins Auge: Edle und praktische Details, die mit Raffinesse und Eleganz das Kochen und den Aufenthalt in der Küche insgesamt erst so richtig schön machen.n

Redaktion: Barbara Jahn
Fotos: Hersteller