ERA Magazin - besser Wohnen

Gebäudesanierung

Sanierungsaktivitäten im gemeinnützigen Wohnbau – Limit erreicht?

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Die Gebäudesanierung wird immer wieder als ein Eckpfeiler der Energie- und Klimapolitik angesprochen. Das hat zunächst den Grund, dass tatsächlich einiges im Wohnbau für die Energieeinsparung und Reduktion der Treibhausgasemissionen zu holen ist. Dazu kommt, dass mit der Gebäudesanierung ein gutes Geschäft zu machen ist und der Umsetzung seitens der Wirtschaft wenig im Wege steht. Tatsächlich konnten die Emissionen seit dem Jahr 2005 trotz eines starken Anstiegs an Haushalten um 35 Prozent reduziert werden – obwohl sich bei der Energieeinsparung Stagnationstendenzen zeigen. Aber dank der Abkehr von fossilen Brennstoffen und des Umstiegs auf erneuerbare Quellen können die Emissionen trotzdem weiter abgebaut werden.

Der gemeinnützige Wohnbau ist dabei nachweislich der führende Sektor. Schon aufgrund der kompakten Bauweise sowie der geringeren Wohnfläche ist der Energieverbrauch in Geschoßbauten geringer als in Eigenheimen. Dazu kommt die laufende Sanierungstätigkeit im Bestand – sowohl in Bezug auf die Dämmung, also den potentiellen Energieverbrauch, als auch was die Heizquellen anbelangt. Gemeinnützige Mietwohnungen weisen heute den geringsten Anteil an ölbeheizten Wohnungen auf. Umgekehrt haben sie die höchste Quote von Fernwärmeanschlüssen. Im Neubau kommen verstärkt auch alternative Energiequellen zum Einsatz. Das führt schließlich im Endeffekt dazu, dass die gemeinnützigen Mietwohnungen rund 16 Prozent aller Hauptwohnsitze ausmachen und einen Anteil von rund elf Prozent an der Wohnnutzfläche haben. Ihr Anteil am Heiz-Energieverbrauch erreicht hingegen nur sieben, jener an den durch das Heizen verursachten Emissionen nur 4,5 Prozent.

Ein Blick auf die aktuellen Sanierungsaktivitäten zeigt allerdings eine abnehmende Tendenz (vgl. Diagramm). Während vor rund 10 Jahren noch mehr als 12.000 Wohnungen jährlich mit der Großinstandsetzung wärmegedämmt wurden, sind es in den letzten vier Jahren deutlich weniger gewesen.

Gibt es Hindernisse für weitere Sanierungsmaßnahmen? Die Antwort auf diese Frage ist relativ einfach: Die Zahl der Sanierungsfälle geht hauptsächlich deshalb zurück, weil die Bauleistung in den frühen 1980er Jahren gegenüber jener der 1970er Jahre zurückgegangen ist. Beim Sanierungsgeschehen der Gemeinnützigen ist zu beobachten, dass Bauten rund 30 bis 35 Jahre nach Fertigstellung einer Großinstandsetzung unterzogen werden, was meist auch mit Dämmmaßnahmen einhergeht. Erneuerungen beziehungsweise Umstellungen des Heizungssystems werden nicht immer zur gleichen Zeit, sondern eher zeitversetzt vorgenommen. Der Neubauboom der 1970er Jahre war also der Hintergrund für den früheren Sanierungsboom, die Abnahme der Neubauleistung die Erklärung für den Rückgang an Sanierungen heute.

Aber noch etwas ist zu beobachten: Die Menge an großinstandgesetzten Wohnungen übersteigt zwar jene der seinerzeit neu errichteten Mietwohnungen, erreicht aber nicht die Gesamtheit, die sich aus der Hinzurechnung der in früheren Jahren neu gebauten Eigentumsbauten ergibt. Das liegt daran, dass die Sanierung in Eigentumsbauten von der Zustimmung einer qualifizierten Mehrheit an Eigentümern abhängig ist, diese aber oft verzögert oder auch gar nicht zu erreichen ist.

Für die Energie- und Klimapolitik ist dies als Hinweis zu werten, dass der Konflikt zwischen Eigentümer- und Gesamtinteressen wohl einer ist, der auch im Gebäudesektor nicht nur mit gutem Zureden zu lösen ist. n

Text: Mag. Eva Bauer
Wohnwirtschaftliche Referentin, Österreichischer Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen
Bilder: pixabay