ERA Magazin - besser Wohnen

Die Wiener Rauchfangkehrer

Sicherheit für Wien

Bewohner unterschätzen viele Gefahren
Wien wächst, die Alters- und gesellschaftliche Struktur verändert sich.
„Um die Sicherheit in unserer Stadt möglichst hoch zu halten, braucht es eine größere Disziplin der Wiener Bevölkerung in den Wohngebäuden und einige Maßnahmen in Alt- und Neubauten“, appelliert Christian Leiner, Innungsmeister der Wiener Rauchfangkehrer.
Denn der Rauch ist giftiger geworden und 2/3 der Brandopfer sterben an Rauchgasvergiftung. Leiner fordert daher verpflichtend Brandmelder im Altbau, denn diese sind bisher nur im Neubau vorgeschrieben.

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Wohnungsbrände in Wohngebäuden nehmen zu
Menschliches Fehlverhalten, falscher Umgang mit offenem Feuer, elektrischen Geräten, Überlastung von Steckdosen durch zu viele Geräte und unsachgemäße Verkabelungen sind häufige Ursachen für Brände. Maßgeblich für die Wohnungsbrände ist vor allem die mobile Brandlast in den Wohnungen. Leiner: „Durch neue Baustoffe und mehr Einsatz von Kunststoffen ist der Rauch giftiger geworden und verbreitet sich dichter. So sind Betroffene sehr rasch orientierungs- und chancenlos.“ Etwa zwei Drittel der Brandopfer sterben an einer Rauchgasvergiftung. Sind in der Wohnung Brandmelder angebracht, wird eine akustische Warnung ausgelöst. Diese sind allerdings nur in Neubauten und nur in Aufenthaltsräumen vorgeschrieben. „Für Altbauten sollten Brandmelder unbedingt nachgerüstet werden“, regt Leiner an.

Wachsende Stadt, älter werdende und sich verändernde Gesellschaft
Leiner: „Wohnungen werden kleiner, teurer und auch überfüllter. Wir erleben häufiger sehr dicht belegte Wohnungen. Dazu kommt, je kleiner die Wohnung umso mehr Verlagerung in die öffentlichen Teile eines Wohngebäudes wie Stiegenhaus Keller, Dachböden und Innenhöfe. „Je mehr Menschen auf engem Raum zusammenleben, umso wichtiger wird ein diszipliniertes Verhalten um Gefahren abzuwenden“, so Leiner. Viele Brandopfer sind ältere und gebrechliche Menschen. Denn diese hören und sehen schlechter und sind für eine Flucht vor dem Feuer nicht schnell genug. „Die Altersstruktur in Richtung älterwerdende Gesellschaft verändert sich rapide und wir müssen mehr Rücksicht darauf nehmen“, so Leiner. Die Brandursachen sind oft tückisch, da es nur zu einem Schwelbrand kommt, der zu einer starken Rauchentwicklung und während des Schlafes zum Tod durch Ersticken führt.

Falle Stiegenhaus: Fluchtweg oft
versperrt
Häufig sind Papier- und Müllcontainer mitten im Stiegenhaus abgestellt. Damit sind sie eine Gefahrenquelle als Brandherd, Anziehung für Brandstifter und verstellen den Fluchtweg bzw. verhindern bei Verrauchung die Flucht. Auch abgestellte Kinderwägen, Fahrräder, Pflanzen und vieles mehr verstellen den Weg für Rettungskräfte und Flüchtende und können zumindest zu Stolperfallen werden. Um die Wohngebäude möglichst sicher zu machen, sind die öffentlich zugelassenen Rauchfangkehrer mit feuerpolizeilichen Überprüfungen der allgemeinen Teile des Hauses gesetzlich beauftragt. Sie bekleben im ersten Schritt die abgestellten Gegenstände mit einer grünen Banderole und fordern damit die Entfernung auf. Wird darauf nicht reagiert, erfolgt eine Meldung an den Magistrat der Stadt Wien.

Mangelndes Service der Heizgeräte: CO-Unfälle steigen wieder an
Mit Einführung der jährlichen Luftverbundüberprüfung im Rahmen der Hauptkehrung (2012) reduzierten sich Kohlenmonoxid – Unfälle und Todesopfer um 85 Prozent. „Leider werden die Menschen wieder nachlässig, wenn weniger Dramatisches passiert. So wird die Sicherheitsvorsorge wie die Gerätewartung, gar nicht, verspätet oder nur mangelhaft, teilweise sogar von unseriösen Billigstanbietern durchgeführt“, resümiert Leiner. 2017 mussten mit 7.895 Anlagen um etwa 25 Prozent mehr wegen „Gefahr im Verzug“ gesperrt werden als noch im Jahr davor.
Etwa 2/3 dieser defekten Anlagen wurden wegen erhöhter CO – Werte gesperrt. Auch die Anzahl der CO – Unfälle stieg um 17 Prozent gegenüber 2016 und es gab wieder ein Todesopfer. Leiner: „Es ist uns bewusst, dass Wartungen von seriösen Fachbetrieben ihren Preis haben. Aber es geht um Menschenleben. Jeder dessen Heizanlage in den letzten 12 Monaten noch nicht gewartet wurde, sollte dies rasch durchführen lassen.“
Ausbildung zum Rauchfangkehrer
Vor dem Start zur Lehre im dualen Ausbildungssystem, muss ein Eignungstest absolviert werden bei dem die kommunikativen Fähigkeiten, Technikverständnis und Allgemeinbildung überprüft werden. Nach drei Jahren wird die Lehre mit einem Diplom zum Gesellen abgeschlossen. „Unsere Mitarbeiter müssen Zusammenhänge erkennen können, aber auch einen offenen Geist haben“, ist Leiner überzeugt. Nach dem Gesellendiplom kann noch die Meisterprüfung abgelegt werden.

Die Wiener Rauchfangkehrer
Seit 571 Jahren überprüfen die Wiener Rauchfangkehrer regelmäßig die Feuerstätten der Wienerinnen und Wiener. Komfortables Wohnen und ein sicheres Leben in der Stadt wurden dadurch möglich. Technologische Entwicklungen machen Heizen zunehmend effizienter und umweltschonender.

© www.rauchfangkehrer.wien