ERA Magazin - besser Wohnen

Die 7 Todsünden

Die 7 Todsünden

beim Kauf einer Immobilie.

Young Couple Standing Outside Dream Home

Die sieben Hauptsünden Stolz, Habsucht, Neid, Zorn, Unkeusch- heit, Unmäßigkeit, Trägheit oder Überdruss wurden früher häufig als „Todsünden“1 bezeichnet. Sie sind Grundgefährdungen des Menschen und heißen Hauptsünden, weil sie oft Wurzel weiterer Sünden sind. Ähnliche Haupt- sünden passieren beim Kauf einer Immo- bilie leider nur zu oft:

1. Hauptsünde: der fehlende Blick des Profis ins Grundbuch! Ein kundiger Blick, ins von den Bezirks- gerichten geführte, öffentlich einsehba- re Grundbuch ist jedermann/jederfrau möglich, entweder vor Ort oder – kos- tenpflichtig – vom PC oder Laptop aus über entsprechende Anbieter. Um einige Euros erhält man dadurch Informationen über die Eigentümer, die Größe der Lie- genschaft, Dienstbarkeiten wie Vorkaufs- und Wegerechte, ein allfälliges Veräuße- rungsverbot, eingetragene Pfandrechte. Ein Immobilienmakler würde das selbst- verständlich auch für Sie erledigen.

2. Hauptsünde: Flächenwidmung und Bebauungsplan nicht lesen! Wer ohne Makler kauft, sollte sich im Ge- meindeamt erkundigen oder den digita- len Kataster abrufen. Schlussendlich ist schon interessant, wie hoch man selber oder der Nachbar bauen darf oder gar wo nicht gebaut werden darf. Also nicht nur die Pläne für das eigene Grundstück einsehen, sondern auch die der Nach- bargrundstücke. Wenn Sie schon im Ge- meindeamt nachfragen, können Sie sich auch gleich nach den Aufschließungskos- ten der Liegenschaft erkundigen.

3. Hauptsünde: den Verkaufsunterlagen und den vorgelegten Plänen uneingeschränkt vertrauen! Ein seriöser Makler nimmt Ihnen auch hier die Aufgabe ab, vergleicht die Pläne mit der gebauten Wirklichkeit, misst die Quadratmeter nach und überprüft kun- dig mögliche Bausünden. Er kontrolliert das Nutzwerkgutachten und den Ener- gieausweis.

4. Hauptsünde: kurzsichtig & zu kurz besichtigt! Wer Zeit bei einer gründlichen Besichti- gung spart und dabei auch Baumängel übersieht, büßt dies lange Zeit. Der Son- nenlauf ist ebenso zu berücksichtigen wie der Lärm aus Verkehr und Nachbarschaft. Es macht einen großen Unterschied, ob Sie den neuen Wohntraum am Sonntag Vormittag besichtigen, wo alle Nachbarn und insbesondere deren Kinder noch schlafen und der Durchzugsverkehr ruht, oder an einem sonnigen warmen Abend … Warum nicht zu unterschiedlichen Zei- ten mehrmals besichtigen? Dann fallen Ihnen Baumängel auch eher auf – Sie hei- raten ja ihren künftigen Ehegatten auch nicht nach dem ersten Abendessen. Gibt es die Immobilie noch gar nicht, machen Sie die schöne Bau- und Ausstattungsbe- schreibung zum Vertragsgegenstand.

5. Hauptsünde: unüberprüfte Betriebskosten und übersehener Sanierungs- bedarf! Betriebskosten werden immer unter- schätzt. Eine neue Heizung oder zusätz- liche Wärmedämmung, neue Fenster und Türen, eine bereits beschlossene Sa- nierung durch die Eigentümerversamm- lung – alles geht ins Geld. Informieren Sie sich daher wirklich ausreichend über alle geplanten und nötigen Sanierungen bei der Hausverwaltung, Ihrem Makler oder investieren Sie auch in einen Sachver- ständigen-Check. Überprüfen Sie auch die angegebenen Betriebskosten auf Plausibilität und fragen Sie auch hier einen Experten.

6. Hauptsünde: zahlen Sie bar und möglichst viel schwarz! Es soll immer wieder vorkommen, dass Teile des Kaufpreises „schwarz“ bezahlt werden, um Nebenkosten zu sparen. An- zahlungen in bar ohne Quittung stellen Sie vor ein Beweisproblem, wenn der Ver- käufer unredlich ist und seit Einführung der Immobilienertragsteuer2 wird der Ge- winn (Differenz zwischen Kauf- und Ver- kaufspreis) bei Immobilienverkäufen mit 30 Prozent besteuert. Je mehr Schwarz- geld fließt, desto höher die Steuer.

7. Hauptsünde: lassen Sie sich mit dem Finan- zierungsgespräch bei der Bank viel Zeit! Das Hypothekar- und Immobilienkredit- gesetz (HlKrG) zwingt die Kreditinstitu- te, die Kreditnehmer noch umfassender zu prüfen und zu informieren als ohne- hin schon. Auf ein Bankengespräch soll- te man sich daher gut vorbereiten und dabei auch wissen, dass ein abgelehnter Kreditwunsch zur Eintragung in die Bo- nitätsdatenbank führen kann. Ein Immo- bilienmakler der auch Hypothekarkredi- te vermitteln darf, kann auch hier sehr hilfreich sein.

n 1* https://www.erzdioezese-wien.at/ hauptsuenden-oder-die-7-todsuenden 2* https:/martinstiegerblog/2016/03/03/ immobilienertrag-und-grunderwerbsteuer/ Foto: Fotolia-Smole