ERA Magazin - besser Wohnen

23 Tonnen kommen geflogen

Moderne „Nomaden“ haben gerne ein Haus, das sie bei Bedarf mitnehmen können.

DE3P9719

Werknutzungsbewilligung für das Architekturbüro Paul Pilz A - 8010 Graz

Werknutzungsbewilligung für das Architekturbüro Paul Pilz A - 8010 Graz

Werknutzungsbewilligung für das Architekturbüro Paul Pilz A - 8010 Graz

Werknutzungsbewilligung für das Architekturbüro Paul Pilz A - 8010 Graz

Werknutzungsbewilligung für das Architekturbüro Paul Pilz A - 8010 Graz

Werknutzungsbewilligung für das Architekturbüro Paul Pilz A - 8010 Graz

Der Zufall spielt wie so oft eine Rolle. Architekt Pilz hatte schon mehrere Feriendomizile an Baggerseen südlich von Graz geplant. Die dreiköpfige Familie, die lange in Deutschland lebte und sich jetzt in der Steiermark angesiedelt hatte, lernte den Architekten kennen. Als sich die Gelegenheit bot, ein Grundstück an einem dieser Seen zu pachten haben sie zugegriffen. Sie nutzen das Know-how des Architekten um gemeinsam eine möglichst optimale Bebauung zu entwickeln. Es sollte ein nachhaltiges Haus und ein tolles Design sein, schnell gebaut werden können und außerdem mobil sein.
Das rund 18 Meter breite Grundstück liegt im Wasserschutzgebiet und hat einige Einschränkungen bezüglich Beheizung, Bebauung und Nutzung. Diese speziellen Anforderungen konnte keines der am Markt befindlichen mobilen Häuser erfüllen, das war schnell klar. Das 14 Meter lange und 4 Meter breite Haus wurde also soweit wie es sinnvoll war in den dahinterliegenden steilen Hang platziert, deswegen wurde eine massive Stützmauer notwendig. Gleichzeitig ist diese Stützmauer ein Teil der Außenwand des Hauses und wird als effektive Speichermasse genutzt. So gesehen bleibt genügend Platz am Wasser. Um die 23 Tonnen des voll möblierten Hauses transportieren und mittels Autokran versetzen zu können, wurde ein Rost aus Stahlprofilen im Bereich des Daches entwickelt. Eine weitere Herausforderung war
die angestrebte „plug and play“ Variante, also eine Haustechnik zum An- und Abstecken. Das bewegliche Haus besteht aus zwei Baukörpern. Das kleine Nebengebäude dient als variabel platzierbare Haustechnikzentrale und hat auch Platz für Waschmaschine, Boiler und Abstellraum. Alles wurde im Werk hergestellt und die Bauzeit belief sich auf nur sechs Wochen. Dann kam der Tiefladen und der Autokran hievte das Ganze auf das vorbereitete Fundament. Das wars dann schon.

Das moderne Schneckenhaus
„Wir haben das Bett, das Sofa, Sessel, Tisch und ein paar Kleinigkeiten hineingestellt und sind sofort eingezogen“, erzählt die Bauherrin. Der zentrale Punkt des Hauses ist ein offener Koch-, Ess- und Wohnbereich, der sich mit  einer Schiebetür zum Wasser hin öffnet. Von der teilweise überdachten Terrasse kann man direkt in den See springen.

Das Elternschlafzimmer wurde mit Betthaupt und Schrank geliefert, das Kinderzimmer ist wie eine Schiffskajüte ausgelegt, die Stauräume wurden ebenso wie die Küche im Werk geplant. „Wir haben uns stark am Innenausbau einer Segel-Yacht orientiert. Bei so wenig Raum ist das auch notwendig und diese Spezialisten wissen schon seit langer Zeit, wie das optimal geht“, erklärt der Architekt. Die Beheizung erfolgt über den Fußboden. Der Holzboden aus geölten Eichendielen ist farblich auf die Innenausstattung abgestimmt.

Nach dieser minutiösen Planung und Kleinarbeit – im wahren Sinn des Wortes – war es dann nur sinnvoll und logisch, dieses „moving house“ auch seriell zu verwerten – als private Ferienresidenz, aber auch als modulare, erweiterbare Einheit für Hotels am See oder im Schnee oder als temporäre Wohneinheit. Es genügt dafür schon eine Fläche ab 350 Quadratmeter.

Architekt Michael Pilz führt seit 1998 sein erfolgreiches Büro in Graz. Er hat in dieser Zeit zusammen mit seinem Team Geschäftslokale, Sanierungen, Gewerbe- und Industriebauten, sozialen Wohnbau und gehobene Einfamilienhäuser realisiert. Die Unternehmens-Philosophie ist fokussiert auf Qualität in Planung, Ausführung, Partnerschaftlichkeit und Nachhaltigkeit in der Zusammenarbeit mit den Auftragsgebern.

Paul Michael Pilz stammt aus einer obersteirischen Baudynastie, er hat die HTL für Hochbau in Graz besucht, anschließend war er in verschiedenen Firmen und hat dann ab 1985 Architektur an der Uni Graz studiert. Nach einigen Lehr- und Wanderjahren durch verschiedene Büros hat er dann 1998 sein eigenes gegründet. n

Text: Susanne Mitterbauer
E-Mail: s.mitterbauer@besser-wohnen.co.at
Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Paul Ott.